ZAK-Jahrestagung 2013 – Durchblick!

Von Prof. Hannes Brachat

150 Experten aus dem Sachverständigen- und Versicherungsbereich trafen sich in Radebeul zum Jahresforum der ZAK (Zertifizierte und Anerkannte hauptberufliche Kfz-Sachverständige e.V.). Fortbildung, Qualifizierung bildete das Leitthema.

ZAK-Präsident Ralf Graf hatte mit seiner Vorstandschaft die Veranstaltung 2013 im Radisson Blu Park Hotel in Dresden/Radebeul unter das Motto gestellt:
„Qualität, Durchblick, hohe Sachkenntnis und Know-how sind die Zukunft der Fahrzeugsachverständigen". Im Verbund mit dem neuen Internetauftritt von ZAK, einer Plattform für alle Marktbeteiligte, machte Graf deutlich, dass die Ausbildungsangebote über e-Learning ausgebaut werden. Nachdem es politisch immer noch nicht durchsetzbar ist, dass es für die Sachverständigen ein eigenständiges Berufsbild gibt, geht der ZAK den eigenständigen Weg über die ZAKZert, über die Zertifizierung. Von den rund 12.000 Kfz-Sachverständigen in Deutschland können bislang laut ZAK-Zert-Geschäftsführer Andreas Peters 1.550 auf die Zertifizierung verweisen. 850 sind durch die IHK bestellt und vereidigt. Ralf Graf:
„Wir haben also noch ein Manko von 9000 Sachverständigen."

Nachdem namhafte Hersteller wie beispielsweise VW im Rahmen der Auftragsvergabe eine Zertifizierung voraussetzen, sieht man sich auf dem richtigen Weg.

Motorenanalyse

AH-Herausgeber Prof. Hannes Brachat setzte aus den wesenhaften Trends der 65. IAA, nämlich E-Mobilität, automobile Vernetzung und selbstfahrendes Automobil den ganzheitlichen Überbau zur Tagung. Es folgte danach über Technikexperten ein technisches Feuerwerk am anderen. Marc Rappen, er hat seine Wurzeln im elterlichen Motorinstandsetzungsbetrieb und entwickelte daraus den Geschäftsbereich als Motorsachverständiger weiter, zeigte Rekonstruktion von Motorschäden mit dem Schwerpunkt industrieller Analytik auf. Da gab es kardiologische Landschaften auf Ventilteller, Ventiltellerbruch, Verschleißmechanismen, Faktografie, natürlich auch echte Ursachenanalyse zu bewundern. Auch Produktionsfehler wurden aufgedeckt, z.B. über spezifische Teile aus China, deren Fehler äußerlich nicht zu erkennen sind.

Federn- und Dämpfungssysteme

Prof. Dr.-Ing. C. Wolfgang Fervers von der Hochschule Hamburg, ehemals Wagenbauschule faszinierte am praktischen Objekt zum Thema Federn und Dämpfungssysteme. Dabei nahm die diagonale Radlastschwankung einen breiten Raum ein. Die Veränderungen bei Tieferlegung des Fahrzeugs. Das Verhalten bei sportlichem Fahren. Harte Federung gilt als sportlich, weich als komfortabel. Wie sieht das aber in der technischen Realität aus? Die harte Federung, gerade im Rennsport? Die Wirkung der Spoilerkraft im Formel-I-Metier. Oder bei beladenem Fahrzeug? Weiter ging es mit der progressiven wie der hydraulischen Federung, der Niveauregulierung, der Luftfederung. Fervers widmete ein weiteres Kapitel dem Sinn und Unsinn von harten Federn. Ein Hoch der Automobiltechnik!

Wiederbeschaffungswerte

Dipl.-Ing. Bernd Strunz von APE Ptacek zeigte in seinem Vortrag auf, wie die Wiederbeschaffungswerte einfach abgefragt werden können. Dazu finden Angaben über DAT-Werte statt, ferner über Internet-Recherche der Börsen, von mobile.de, autoscout.de, Pkw.de und Auto.de, um qualifizierte Transparenz zu schaffen. Car.tv bietet nun über Datenbankabfrage Werte bis September 2009 zurück an. Sprich, es liegt nunmehr eine sehr gute Dokumentation vor. Auch für Motorräder und Transporter bis 3,5 t. Abrufbar sind die Daten auch über iPhon oder über iPad.

Rechtsdienstleistungsgesetz

Rechtsanwalt Joachim Otting zeigte die Wandlungen auf, die sich seit 1.7.2008 durch den Übergang vom Rechtsberatungsgesetz (RBerG) zum Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) ergeben haben. Otting gehört zu den erlesenen Referenten, die die komplexe Juristerei für Normaldenke plastisch, sprich verständlich darstellen können. Das zeigte er an einzelnen Sachverhalten auf. In das neue RDG ist vorwiegend die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes eingeflossen. Im Klartext: Erlaubt sind Rechtsdienstleistungen im Zusammenhang mit einer anderen Tätigkeit, wenn sie als Nebenleistung zum Berufs- oder Tätigkeitsbild gehören. Klar, der Schadengutachter muss sich dabei am geltenden Schadenrecht orientieren. Also
muss er es im Detail kennen, soweit es gutachtenrelevant ist. Das schließt dann mit ein, dass der Gutachter auch für seinen rechtlichen Rat geradestehen muss.

Kunststoffe

Marco Nowak, von UB Composites hatte als ganz neues Thema die „Reparatur von Bauteilen aus faserverstärktem Kunststoff wie CFK und GFK" als Vortragsinhalt. Am Beispiel von Glasfaser, Kohlefaser, Naturfasern, Aramidfasern stellte er die neuen Anforderungen für den Fall der Reparatur vor. Man trifft dort auf Verwebungen, auf einzelne Schichten, die gerade im Schadenfall mit viel Handarbeit zu bearbeiten sind. Man muss die beschädigten Lagen stufenförmig abtragen. Der Ablauf der Instandsetzung wird dokumentiert und über einen Ultraschall-Prüfbericht festgehalten. BMW hat beim neuen Elektrofahrzeug i3 dafür bislang zwei Betriebe bestimmt, die diese Technik bei Carbonbearbeitung zukünftig zu „reparieren" wissen.Nowak stellte das auch am Beispiel des Autoklav-Verfahren für die Formel-I dar. Eine neue Welt! Zeitintensiv!

Prof. Brachat in seinem Resume des Sachverständigen-Forums:
„Die Zahl der Unfälle werden dank der Technik (Assistenzsysteme) rückläufige Tendenz zeigen. Der ZAK hat einen Beirat eingesetzt, um die Anpassungszwänge der Zukunft zu gestalten. Dennoch, Qualität, Unabhängigkeit und Neutralität bleiben die Existenzgrundlage und besonders bei den anstehenden technischen Veränderungen die Berechtigung des Sachverständigen. Und das bei allem wirtschaftlichen Druck! Man muss als SV Eigeninitiative zeigen, sich eben auch mit Spezialisten vernetzen, man muss Aufträge holen, nicht nur darauf warten. Und das hat die Tagung deutlich gemacht: Der Sachverständige muss heute weit mehr können, als nur „Schaden"!"

Präsident Graf lud am Abend – dank der Sponsoren – zu einem sehr gut besuchten geselligen Abend mit Damen ein. Eine runde Zusammenkunft!